Geschichte des Backgammon

Das Spiel Backgammon ist so alt wie die menschliche Kultur. Das älteste Spielbrett, das den heutigen Brettern ähnelt, ist mehr als 5.000 Jahre alt und wurde bei Ausgrabungen im Iran entdeckt. Auch schon unter den alten Ägyptern war Backgammon offenbar beliebt, das belegen backgammonähnliche Spielbretter, die aus der Gruft des Pharaonen Tutenchamun geborgen werden konnten und die auf circa 1.300 vor unserer Zeitrechnung datiert worden sind. Grabinschriften und Malereien belegen, dass das Spiel in allen Bevölkerungsschichten verbreitet war.

Eine Weiterentwicklung in Richtung der heute bekannten Variante leisteten die Römer unter Claudius, der ein leidenschaftlicher Spieler des so genannten Zwölflinienspiels war. Die Verbreitung dieses Vorläufers belegen beispielsweise bestens erhaltene Wandgemälde in Gebäuden der vom Vesuv verschütteten sagenhaften Stadt Pompeji. Angeblich ging die Begeisterung des Kaisers so weit, dass er längere Abhandlungen über Regeln und Taktiken des Spiels verfasst haben soll, die allerdings nicht überliefert sind. Bei diesem Ur-Backgammon kamen drei Würfel zum Einsatz. Mit den erfolgreichen Feldzügen Roms fand die Spielvariante "Tabula" in weiten Teilen Europas zunächst in Adelskreisen Verbreitung, geriet mit dem Untergang des Imperiums jedoch wieder in relative Vergessenheit.

Eine Wiedergeburt des Spiels, das nunmehr mit nur noch zwei Würfeln gespielt wurde, ging mit den Kreuzzügen ins Gelobte Land einher; rasch wurde es in Persien, im deutschen Raum, in Frankreich und im Britischen Reich auch imVolk bekannt. Das im Spätmittelalter in Deutschland als "Wurfzabel", in England als "Table" beliebte Spiel ist wohl der unmittelbare Vorläufer des heutigen Backgammon. Die Wertschätzung für "Table" war besonders in England sehr hoch, wo sich das Spiel vor allem unter Soldaten als anspruchsvoller Zeitvertreib und natürlich als Glücksspiel um Geld durchsetzte. Die europäische Kirche setzte sich lange Zeit ebenso vehement wie erfolglos gegen dieses Glücksspiel ein.

Erstmalige Erwähnung fand die Bezeichnung Backgammon 1645. Dieser Begriff beschreibt das erneute Einsetzen geschlagener Steine. Die heute bekannten Regeln fußen zum großen Teil auf den Aufzeichnungen des Engländers Edmond Hoyle aus der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts.

Wegweisend für die jetzige Spielweise war schließlich die Einführung des Doppelns in den 1920er Jahren. Der Verdoppelungswürfel diente vornehmlich dazu, das Maß an Unwägbarkeiten zu verringern und taktisches Verhalten stärker zu belohnen. Das heute verbindliche Regelwerk geht auf die Festsetzung durch den Racquet and Tennis Club in New York im Jahr 1931 zurück. Weitere Bekanntheit erlangte Backgammon durch einen viel beachteten internationalen Ausscheid, an dem heute hoch angesehene Spieler wie Oswald Jacoby oder John Crawford teilnahmen. Dieses Turnier auf den Bahamas wurde zur Tradition und findet seit 1964 jedes Jahr statt. Entscheidend beteiligt an der Bekanntmachung des Spiels hatten in den folgenden Jahrzehnten zudem zahlreiche populäre Persönlichkeiten, die sich als Backgammon-Spieler zu erkennen gaben, darunter Playboy-Gründer Hugh Hefner oder Tennisstar Jimmy Connors. In zunehmendem Maße galt das Augenmerk der stetig wachsenden Backgammon-Gemeinde der Spieltheorie, die erweitert und verwissenschaftlicht wurde. Als Standardwerk und "Bibel der Backgammon-Theorie" gilt Paul Magriels Buch "Backgammon" aus dem Jahr 1976.

Inzwischen stellt nahezu jedes westliche Land einen nationalen Backgammon-Verband und trägt nationale Meisterschaften aus. Backgammon-Clubs und -Vereine sind zahlreich, und auch im privaten Rahmen ist dieSpielergemeinde groß. Seit den 1990er Jahren gerieten erste Computersimulationen in Umlauf, die immer weiter verbessert wurden und mittlerweile teilweise höchste Ansprüche erfüllen.

Heute finden jährliche Weltmeisterschaften im Backgammon statt; Austragungsort ist seit 1979 Monte Carlo. Die Weltmeister der vergangenen zehn Jahre waren zumeist US-amerikanische und skandinavische Spieler; amtierender Champion ist allerdings der Niederländer Philip Vischjager. Interessanterweise ist es bislang noch keinem Engländer gelungen, diese Trophäe zu erringen.

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